Das Projekt

Herbsthausen auf dem historischen, denkmalgeschützten Sägewerksgelände der Familie Herbst in Gartow (Wendland, Niedersachsen) ist ein wachsendes Kunst- und Kulturzentrum – 2,5 Hektar, gut 12 Gebäude, getragen von einer Künstlerfamilie, die hier wohnt, saniert, ausstellt und internationale Kunstcamps organisiert.

Gestern und heute

2019 sanierte die Künstler*innenfamilien Ritter/Karsthof/Zhong ein Vierseithof im Wendland und gründete den Kunstraum TANGENTE um zeitgenössische Kunstausstellungen sowie vier große internationale Sommerkunstcamps für osteuropäische Künstler*innen zu veranstalten – mit enormem Zuspruch. Doch der Wunsch, noch größer zu denken, blieb. So stieß das Team auf ein ehemaliges Sägewerksgelände namens „Herbsthausen" im Nachbarort Gartow – verwunschener noch und größer als die kühnsten Träume. 2023 wurde es gemeinsam erworben.
Der Sanierungsbedarf ist umfassend, doch die Bauarbeiten laufen: Bereits knapp die Hälfte des maroden Bestands wurde in großem Eigenleistungsanteil zu neuem Glanz verholfen. Dutzende externe Seminargruppen waren bereits vor Ort, die letzten beiden Art Camps in Herbsthausen verzeichneten jeweils 64 teilnehmende Künstler*innen. Die zeitgenössischen Ausstellungen besuchen rund 8.000 Menschen pro Jahr. Ein regionaler Kunstverein und ein lokaler Kulturverein sind nach Herbsthausen gezogen, ebenso eine Weberei. 2025 wurde ein eigener Verein gegründet, der ab 2026 am Europäischen Freiwilligendienst (ESC) teilnehmen wird. Ab 2027 übernimmt der Verein die dann fertiggestellte, EU-geförderte Akademie und bietet dort Seminare und Austauschprogramme an.
Das nächste große Ziel ist personelles Wachstum: Menschen finden, die die Werkstätten in der Akademie leiten, Kurse anbieten, die Gastronomie führen, die Gästewohnungen verwalten und Förderanträge schreiben. Dafür sollen die Neubauwohnungen sorgen – als Angebot an engagierte Kulturschaffende, die in Herbsthausen wohnen und gleichzeitig inhaltlich mitarbeiten wollen. Ab 2026 kommen vier ESC-Freiwillige dazu; 2027 soll das Art Camp auf zwei Monate ausgeweitet werden – als Vorstufe zur Exil Art School. Der Verein übernimmt dann die fertige Akademie. Herbsthausen sucht Menschen, die das Projekt von innen stärken – sowie Sichtbarkeit nach außen, um weitere Bewohner*innen, Kulturschaffende und Förderer zu gewinnen, die Herbsthausen als das verstehen, was es werden soll: ein Ort für Kunst, Handwerk und Begegnung – im Wendland und darüber hinaus.
Das 2,5 Hektar große Gelände des historischen und denkmalgeschützten Sägewerks „Herbst" umfasst knapp 12 Gebäude, Hallen, Ställe und Wohnhäuser. Gemeinsam mit weiteren Kulturschaffenden soll hier ein Ort entstehen, an dem gewohnt, gearbeitet und vor allem gemeinsam ausgestellt, veranstaltet, gelehrt und international ausgetauscht wird. Bereits fertig saniert sind ein Kulturzentrum mit Bühne, Gastronomie, Ausstellungsräumen und Ateliers sowie fünf Gästewohnungen und ein Seminarhaus für insgesamt 27 Gäste. Die Tischlerei befindet sich derzeit im Umbau – hier entsteht die Akademie für Residenzkünstler*innen und Bildungsgruppen mit ausgestatteten Werkstätten und Ateliers. Drei Mietwohnungen sind bereits umgebaut, vier weitere Neubauten für rund zehn Mitbewohner*innen entstehen ab 2026. Aus den verwunschenen Freiflächen entwickelt sich bereits eine Parkanlage. Die Vision: ein Campus für Kunst, Handwerk und internationale Begegnung – mit einem Bein in der Region verwurzelt, mit dem anderen in der Welt.
Wohnen Arbeiten Offene Treffpunkte und Angebote Demokratie und Sozialer Zusammenhalt Zukunftsfähige Regionen und Städte

Arbeiten

In der ehemaligen Tischlerei entsteht mit LEADER-Förderung eine Akademie: 500 m², fünf künstlerische Werkstätten für Holz, Druckgrafik, Bildhauerei, Keramik und Digital sowie ein Co-Working-Space, ein Seminarraum und drei Ateliers für Residenzkünstler*innen. Das Konzept sieht vor, dass Mitbewohner*innen die Werkstätten leiten, eigene Projekte umsetzen und Kurse anbieten. Kooperationen mit Bildungsgruppen und Gastkuünstler*innen werden gefördert. Damit entsteht ein Modell, in dem Kulturschaffende auf dem Land auch wirtschaftlich tragen können, was sie künstlerisch tun. Daneben gibt es bereits jetzt vier Räume im ehemaligen Pferdestall für Gewerbetreibende und Soloselbstständige: Eine Weberei ist dort bereits aktiv. Herbsthausen schafft damit Infrastruktur nicht nur für Kunst, sondern für Unternehmen, handwerkliche und kreative Arbeit .

Offene Treffpunkte und Angebote

Herbsthausen versteht sich als offener Ort, der sich bewusst an Gartow anschließt – mit niedrigschwelliger Architektur, freiem Zugang zum Sägewerk als Erinnerungsort und Kooperationen mit lokalen Vereinen. Inklusivität hat dabei hohe Priorität: Die Angebote richten sich an eine breite Öffentlichkeit und sollen Begegnungen zwischen unterschiedlichen Milieus herstellen. Das Art Camp etwa verbindet seit fünf Jahren junge Kulturschaffende aus politisch oder geografisch prekären Regionen Osteuropas mit Künstler*innen aus Niedersachsen – mit öffentlichen Abschlussfestivals, Workshops und Kunstvermittlung. Der „Merkwürdige Markt" brachte 2025 Nachbar*innen, Kunsthandwerker*innen und Kunststudierende zusammen; eine dadaistische Kunstdemo zog über 200 Teilnehmende auf die Straße. Geplant sind weitere Kooperationen mit Schulen und der Volkshochschule. Besonders geschätzt wird das wachsende gastronomische Angebot: Experimentelle Menüs und gesellige Abende – etwa mit Pizzaofen auf dem Adventsmarkt – schaffen ungezwungene Begegnung unter Fremden.

Demokratie und Sozialer Zusammenhalt

Herbsthausen versteht Kulturarbeit als fundamentalen Baustein der Demokratie – als Raum, in dem Begegnung und Verständigung jenseits von Bekenntniszwang möglich sind. Die Idee zum Umbau ist eng mit dem Art Camp verknüpft: Gegründet vor dem Hintergrund der belarussischen Repressionen, unterstützt es seitdem oppositionelle und im Exil lebende Kulturschaffende – aus Belarus, Serbien und der Ukraine. Der Erfolg dieser Arbeit hat zu einer größeren Vision geführt: der „Exil Art School" – einer geplanten Sommerakademie für Kulturschaffende, die in ihren Heimatländern keine freie Grundlage für ihre Arbeit finden. Ab 2027 wird das Art Camp zunächst auf zwei Monate ausgebaut. Dabei werden stets auch lokale Künstler*innen und Handwerker*innen einbezogen, Exkursionen in die Region organisiert und Abschlussfestivals als Begegnungsformat gestaltet. Architektonisch spiegeln zwei geplante Gebäude diese Doppelstrategie: Die Kunsthalle steht für den internationalen Anspruch, das Regionalmuseum im ehemaligen Sägewerk für die regionale Verwurzelung.

Wer steht hinter Herbsthausen ?

Über die Projektgruppe

Die Kerngruppe ist die Familie Ritter/Karsthof/Zhong: Camillo Ritter und Chenxi Zhong sind professionelle Bildhauer*innen, Susann Karsthof arbeitet mit Keramik und Wachscollagen; Thomas Ritter ist Maler und führt seit fast 30 Jahren das Kulturzentrum Kesselhaus Lauenau. Die Elterngeneration hat das Sanieren von Ruinen in viel Eigenarbeit über Jahrzehnte gelernt – immer mit Fokus auf soziale und kulturelle Nachnutzung. Zur erweiterten Kerngruppe gehören angestellte Handwerker*innen sowie Vereinsmitglieder, die inhaltlich an der Kulturarbeit mitwirken. Die Kompetenzen liegen in Bildungsarbeit, Kuration, Ausstellungsorganisation, Öffentlichkeitsarbeit und Projektmanagement.

Über die Organisationsform

Herbsthausen operiert über zwei Strukturen: Eine GbR der vier Kernfamilienmitglieder ist private Eigentümerin des Geländes und trifft strategische Entscheidungen. Der 2025 gegründete Herbsthausen e.V. mit rund 30 Mitgliedern übernimmt ab 2026 das Kultur- und Seminarprogramm sowie perspektivisch das Sägewerkmuseum. Im Verein gibt es Arbeitsgruppen, einen Vorstand und Mitgliederversammlungen. Darüber hinaus koordiniert sich das Team regelmäßig mit den Mieter*innen auf dem Gelände – derzeit der Westwendische Kunstverein, ein weiterer lokaler Kulturverein und die Weberei. Diese Abstimmung ist besonders vor größeren Veranstaltungen wie der Kulturellen Landpartie zentral.

Ansprechpersonen

Camillo Ritter

Vorstand

Chenxi Zhong

Vorstand